Heimatkreisgruppe Eberswalde beging am 6. Juni 2008 ihr 18-Jähriges Bestehen - ein Bericht von Inge Grischkat, Lübeck
Treue Heimatarbeit lohnt sich…
Die Heimatkreisgruppe Eberswalde beging am 6. Juni 2008 ihr 18-Jähriges Bestehen. Die Begegnung anlässlich dieses Ereignisses fand in Eberswalde-Finow statt. Dazu eingeladen wurden alle Kreis Greifenhagener von nah und fern. Natürlich waren die Gründungsmitglieder besonders angesprochen.
Landsmännin Gerda Bretsch, Mitglied des Heimatkreisausschusses Greifenhagen und Vorsitzende dieser Heimatkreisgruppe, hat keine Mühen gescheut, ihre umfangreiche Adressenliste der Landsleute durchgearbeitet, den Termin in der PZ „Die Pommersche Zeitung“ bekannt gegeben und wurde nicht enttäuscht. Der Besuch war sehr erfreulich groß, und die Berichterstatterin schätzt sich heute noch glücklich, dabei gewesen zu sein. Damit ist gemeint, dass das Miteinander und die Gespräche untereinander und die gesamte Gestaltung des festlichen Beisammenseins von Gerda und ihren Helferinnen und Helfern dazu beigetragen haben, die Stunden herzerfreuend auch tröstlich und erfüllt erlebt zu haben.
Gekommen waren auch Mitglieder der Deutschen Minderheit aus dem Kreis Greifenhagen, an der Spitze Frau Irena Sygula, die Schwiegertochter von Franz und Maria, aus Rosenfelde, beide erste deutsche Ansprechpartner in der pommerschen Heimat. Aus Neuendorf wurden sie von Teresa Gala, der Gemeindevorsteherin, begleitet. Zu dieser polnischen Gemeinde, unter der Obhut der Bahner Bürgermeisterin Frau Teresa Sadowska, haben sich sehr gute partnerschaftliche Verbindungen ergeben. Deren Ausgangspunkt war der im Jahre 1996 geschlossene Partnerschaftsvertrag zwischen dem Heimatkreis Greifenhagen und den vier Städten und Gemeinden des ehemaligen deutschen Kreises Greifenhagen/Gryfino, Bahn, Fiddichow, Greifenhagen und Neumark.
Um 10.00 Uhr begrüßte die Vorsitzende Gerda Bretsch, in dem mit der pommerschen Fahne geschmückten Saal des Veranstaltungslokals, die Teilnehmer und –nehmerinnen. Unter ihnen der Heimatkreisbearbeiter Günther Drewitz, Lübeck, der am 19.Mai 1900 Mitbegründer und Initiator der Heimatkreisgruppe war. Auf dieses Ereignis ging Gerda Bretsch besonders ein, denn genau (fast) 18 Jahre auf den Tag, waren seit der Gründung in Brodowin vergangen.
Angeregt durch eine aufgestellte Schautafel, die den Werdegang der Gruppe darstellte, konnte der Heimatkreisbearbeiter in seiner Begrüßungsrede die Geschichte des Heimatkreises Greifenhagen in der Pommerschen Landsmannschaft, bezogen auf die Zeit vor der Wiedervereinigung und die Jahre nach 199o, näher bringen. Das was nach der Wiedervereinigung geschah, das hatten die Landsleute in frischer Erinnerung, jedoch wie war es bis 1990? Da klaffte ein großes Unwissen. Ihre Heimat POMMERN gab es im kommunistischen Sprachgebrauch nicht. Flüchtlinge und Vertriebene? Nein, das waren Umsiedler! Und Heimattreffen von Landsleuten, das waren revanchistische Kräfte, die mussten mit allen Mitteln bekämpft werden. Ja, so war es einmal! Und trotz allem, es gab auch in der so genannten“ DDR“Menschen, die ihren heimatlichen Zusammenhalt pflegten. Günther Drewitz nannte die Landsleute namentlich, die 1990 sogleich ihre ganze Kraft dafür einsetzten, nun nach der Wende auch den Zusammenhalt ihrer Landsleute aus dem Kreis Greifenhagen zu organisieren.
Es waren Karl Valentin, Berlin; Gerhard und Gerda Bretsch, Eberswalde; Anneliese Reuter, Geesthacht; die mit dazu beitrugen, dass sich ca. 200 Landsleute aus dem Greifenhagener Land, aus allen Gebieten der ehemaligen DDR im Mai 1990 in Brodowin zur Gründung einer Heimatkreisgruppe trafen. Drewitz erinnerte daran, dass vor dem Vorhang der Bühne die blau/weißen Fahnen Pommerns und dahinter versteckt noch die roten mit Hammer und Sichel hingen. Es waren zwei bemerkenswerte und wunderbare Tage, die Maisonne lachte mit uns, als sich nach fröhlichen Stunden die Mehrheit der Landsleute zur Mitgliedschaft der Gründungsversammlung entschieden.
Er erinnerte sich auch an den „Tag der Deutschen Einheit“, den 3.Oktober 199o, den er mit dem Sprecher der Pommerschen Landsmannschaft, Dr. Philipp von Bismarck, und vielen Greifenhagener diesseits und jenseits der Oder, auf der Mescheriner Brücke erlebte. An diesem Tag begegneten ihr auch die polnischen Verantwortlichen aus Greifenhagen, die mit ihnen diesen“ Deutschen Tag“ in Gartz a.d.Oder feierten.
Es war nicht zu übersehen, die anwesenden Landsleute lauschten dem Vortrag über die Zeitabläufe des Heimatkreises Greifenhagen in der Pommerschen Landsmannschaft, von Beginn bis Wiedervereinigung, mit großem Interesse , denn die Zusammenfassung von der Arbeit in genau 42 Jahren, von der Begründung 1948 bis 199o, spiegelt die Treue und Liebe zur Heimat Pommern, zum Greifenhagener Land wieder.
Hier soll nunmehr noch kurz auf diese für uns Kreis Greifenhagener so wichtigen Daten, die der Heimatkreisbearbeiter zusammenfassend vorgetragen hat, eingegangen werden.
- 1948 Gründung des Heimatkreises Greifenhagen in der Pommerschen Landsmannschaft. Gründungen der Ortsgruppen Lübeck, Berlin, Hamburg und Engter
- 1958 beschließt der Kreistag des Landkreises Bersenbrück die Patenschaft zum Kreis Greifenhagen, die am 18.Dezember begründet wird.
- 1959 Übergabe der Heimatstube Greifenhagen, seit 1963 im Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück beheimatet.
- 1963 Einweihung des Gedenksteines für unsere Kreis Greifenhagener Toten am Rathaus der Stadt Bersenbrück. Seit diesen Tagen entwickelt sich eine enge geistliche Verbundenheit zur Evangelischen Kirche der Bonnus-Gemeinde und zur Katholischen Kirche.
- 1964 Begründung der Patenschaft zwischen den Kreisstädten Bersenbrück und Greifenhagen. Festigung der Zusammenarbeit mit den Bersenbrücker Vereinen. Das „Erste“ Greifenhagener Schützenfest nach der Vertreibung wird durchgeführt.
- 1966 trifft sich die Bersenbrücker Landjugend mit der Greifenhagener Patenjugend.
- 1968 findet in Bersenbrück die „Bundespatenschaftstagung der Pommerschen Landsmannschaft“, als Auszeichnung für gute gemeinsame Patenschaftsarbeit, statt.
- 1969 wurde anlässlich unseres Patenschaftstreffen in Bersenbrück, der“ 1.Heimatkreistag“ gewählt. Die Kreissparkasse Bersenbrück lässt Silbermünzen in zwei Größen prägen.
- 1971 dokumentieren der Patenkreis und die Patenstadt, an den Einfahrtsstraßen in ihre Regionen, mit Schildern die Verbundenheit zu Kreis und Stadt Greifenhagen. Und die Stadt versieht Straßen mit Namen nach pommerschen bzw. Greifenhagener Städten.
- 1973 geht, durch die Verwaltungs-und Gebietsreform, die Patenschaftauf den Rechtsnachfolger, dem Landkreis Osnabrück, über.
- 1974 Der Heimatkreis Greifenhagen organisiert die erste 5-tägige Reise in den Landkreis Greifenhagen, gemeinsam mit den Patenträgern. Daran schließen sich noch viele so genannte „Heimwehreisen“ an. Wir lernen ostdeutsche Kulturlandschaften mit dem Kreisheimatbund Bersenbrück kennen.
- 1981 feiern wir mit unseren Paten „75o Jahre Bersenbrück“ und „25 Jahre Stadtrecht“. Am Gedenkstein pflanzen wir Greifenhagener zwei Pommerneichen.
- 1983 anlässlich „25 Jahre Patenschaft Greifenhagen-Bersenbrück“ überreichen wir Kupferreliefs an Vereine und Gaststätten.
- 1986 Herausgabe des „1. Kreis Greifenhagener Rundbriefes“, der über unsere Aktivitäten berichtet.
- 1987 Ausstellung „800 Jahre Pommern“ –Kulturgeschichte/Impressionen von der Mannschaft der Landschaft Pommern, in der Heimatstube im Museum Bersenbrück.
- 1989 Gründung des gemeinnützigen Vereins „Heimatkreis Greifenhagen e.V.“. Dieser erwirbt im Pommernzentrum in Travemünde das Appartement „Greifenhagener Land“.
- 1989 beim 17.Patenschaftstreffen wurde im Beisein vieler Gäste das „Gedächtnismal“ der Patenkreise und Städte feierlich eingeweiht,-erstellt vom Greifenhagener Bildhauer und Steinmetzmeister Günther Sandmann, Kalletal.
- 1990 am 3. Oktober feiern Greifenhagener Landsleute auf der Brücke in Mescherin die Deutsche Wiedervereinigung. Bereits im Mai wurde in Brodowin, nahe der Heimat Greifenhagen, die Kreisgruppe Eberswalde, Mitglied des Heimatkreises Greifenhagen in der Pommerschen Landsmannschaft, gegründet.
- 1991 seitdem hat der Heimatkreis Greifenhagen in Zusammenarbeit mit der „Ostsee-Akademie“ mehr als 33 Seminare und Geschichts-u. Kulturbegegnungen in unserer hinterpommerschen Heimat, teils gefördert durch das Innenministerium der Bundesrepublik, durchgeführt.
Festzuhalten ist: Wir Pommern aus dem Kreis Greifenhagen, haben auf Grundlage der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“, vom August 195o, und unserem „Manifest der Pommern“, vom Mai 1973, für Verständigung über alle europäischen Grenzen hinweg geworben.
Unser Wille: Alles Geschriebene mit Leben zu erfüllen!
So, die Zusammenfassung der Arbeit des Heimatkreises Greifenhagen, vom Heimatkreisbearbeiter Günther Drewitz vorgetragen.
Den Dankesworten von Gerda Bretsch konnten wir entnehmen, dass dieser geschichtliche Ablauf der „Mannschaft der Landschaft“, der von den in Vorpommern, Brandenburg und im weiteren mitteldeutschen Raum jetzt lebenden Landsleuten, interessiert aufgenommen wurde.
Bevor nunmehr den Teilnehmern die mittägliche Stärkung gereicht wurde, konnte wie es immer bei einem heimatlichen Zusammensein so Brauch und Sitte ist, ausreichend „geschlutert“ (erzählt)werden. Und das ging natürlich nach dem Essen erst so richtig los. Mein Gott, woran man/frau sich bei dem Erzählen von zu Haus noch so erinnert. Und wen wunderst, doch nur von guten und schönen Jugendzeiten und Erlebnissen.
Frage: Wir haben so viel, schon viel zu viel, verloren. Haben wir das Böse verdrängt? Wann drängt es zurück in unsere Erinnerungen?
Dann kam die Überraschung. Die „Seniorengesangsgruppe Pommern“ aus Eberswalde trat in blau/weiß auf. Sie erfreuten uns mit schönen alten Volksliedern, hauptsächlich kamen Heimatlieder zum Vortrag. Gesanglich und mit vorgetragenem Begleittext, sehr gut mit anzuhören. Das “Pommernlied“ sangen wir selbstverständlich lautstark, aber auch wehmütig, mit.
Kaffee und Kuchen rundeten diesen Feiertag genussvoll ab.
Es hieß Abschied nehmen, - bis zum nächsten Mal. Wir sehen uns wieder: hier oder in Bersenbrück!
Inge Grischkat, Lübeck

