27. Patenschaftstreffen des Heimatkreises Greifenhagen
Recht auf die Heimat hat sich nicht erfüllt
27. Patenschaftstreffen des Heimatkreises Greifenhagen: Fünf Jahrzehnte Patenschaft
zwischen Bersenbrück und Greifenhagen standen für Frieden und Versöhnung
Unter dem Motto „Die wahre Heimat Greifenhagen spricht unsere Sprache” fand das 27. Patenschaftstreffen des Heimatkreises
Greifenhagen/Pommern am Pfingstwochenende in der Patenstadt Bersenbrück statt. Eröffnet wurde das diesjährige Treffen mit den „Stunden der Begegnung” im und am Heimathaus „Feldmühle”, organisiert vom Heimatverein Bersenbrück.
Greifenhagener und Bersenbrücker fanden sich hier zu einem geselligen Beisammensein ein, wobei das Heimathaus selbst, aber auch
die „klappernde Mühle am rauschenden Bach” und das „Kaiserwetter” eine herrliche Kulisse boten. (...)
Ein erster Höhepunkt war dann die Enthüllung eines Gedenksteines „Pommerneiche” am Fuße der am Heimathaus stehenden alten Eiche.
Bürgermeister Harald Kräuter erläuterte den Gästen die Idee und den Werdegang dieses Gedenksteines. Beim letztjährigen Treffen anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Heimatkreises am Heimathaus sei die Idee entstanden, die alte Eiche als „Pommerneiche” zu „adoptieren”, zumal die echte Pommerneiche am Rathaus im Zuge der hier durchgeführten
Umbaumaßnahmen entfernt werden mußte. Damit wolle man die langjährige Patenschaft dokumentieren und der Stein sei ein beredtes
Zeichen dieser Freundschaft. Heimatkreisbearbeiter Günther Drewitz, Lübeck, betonte, der Heimatkreis wolle mit der Stiftung des
Steines seine Dankbarkeit dem Heimatverein gegenüber zum Ausdruck bringen, mit dem man seit Jahren ein enges und freundschaftliches
Miteinander pflege. „Wenn nunmehr hier an diesem Ort eine alte Eiche nach unserer Heimat Pommern benannt wird, dann ist das ein Brückenschlag von Heimat zu Heimat, von Niedersachsen nach Pommern, von Bersenbrück nach Greifenhagen, eine echte Bestätigung der langjährigen Patenschaft, für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft”.
Man habe in Bersenbrück nach dem Schicksal der Flucht und Vertreibung Hilfe und Fürsorge erfahren, eine zweite Heimstatt gefunden. Um
unter der alten Eiche am Gedenkstein Ruhe und Muße finden zu können, habe der Heimatkreis noch zwei eichene Sitzbänke gestiftet.
Als Vorsitzender des Heimatvereins freute sich Franz Buitmann, mit dem Gedenkstein und den Sitzbänken das Umfeld des Heimathauses
weiter ausgestaltet zu sehen. Auch er sah in diesen Stiftungen eine weitere Vertiefung der Freundschaft zwischen dem Heimatkreis und dem Heimatverein. Der Bersenbrücker Steinmetz Uwe Ross habe die Eingravierungen vorgenommen, die beiden ineinander verschlungenen
Hände symbolisierten die Freundschaft zwischen den beiden Einrichtungen, die Inschrift „Heimat Greifenhagen – Heimat Bersenbrück” mit den Jahreszahlen 1964–2009 wiesen auf die langjährige Patenschaft hin.
Gemeinsam enthüllten die drei Sprecher unter dem Beifall der Besucher den Gedenkstein, die sich anschließende „Sitzprobe” auf den Eichenbänken fiel zur Zufriedenheit aller aus, die nachfolgenden „Stunden der Begegnung” erfüllten ihren
Namen voll und ganz.
Im Mittelpunkt der Feierstunde im Saal Hengeholt-Heuer standen der Festvortrag von OStD Peter Seeger, Leiter des Gymnasiums Bersenbrück, Ehrungen und Wahlen. Die musikalische Umrahmung mit dem Trompetenkorp „Rote Heide” unter der Leitung von Dietmar Späthe setzte einen besonderen Akzent, ebenso daß Louisa Parske und Lukas Finke von der Grundschule Bersenbrück mit dem Gedicht „Heimat und Vaterland” die Feierstunde einleiteten, moderiert vom Vorsitzenden des Heimatkreisausschusses, Eckhard
Schwenk.
Der Heimatkreisbearbeiter Günther Drewitz betonte zum Auftakt, daß die mehr als 50jährige Patenschaft auf Kreis- und Stadtebene
auch 50 Jahre Freundschaft und Partnerschaft bedeuteten. Auf das Motto der Feierstunde eingehend äußerte er seine Sorge, daß die pommersche Sprache wie auch andere Dialekte verloren gehen könnten. „700 Jahre kulturelle Wurzeln der ostdeutschen Sprache weisen hin zu den vielen Kultur-Errungenschaften des deutschen Ostens und diese Kultur muß unser gesamtdeutsches Anliegen sein”, meinte er. Da sei es gut, daß im Kreismuseum die geretteten Geschichts- und Kulturgüter bewahrt werden. Weiter stellte Drewitz fest, daß sich sein individuelles „Recht auf Heimat” nicht erfüllt habe, im Rahmen der Europäischen Union
müßten die Werte für alle gelten.
Bürgermeister Harald Kräuter wies darauf hin, daß das traditionelle Pfingsttreffen seit Jahren ein Forum zum Erfahrungsaustausch für die Heimatvertriebenen untereinander und auch mit den Bersenbrückern sei, für die Greifenhagener sei Bersenbrück zu einer zweiten Heimat geworden. Durch die Umgestaltung am Rathaus habe der Gedenkstein der Greifenhagener in Verbindung mit der neuen Europa-Skulptur eine größere Gewichtung erhalten. Weiter sprach der Bürgermeister die Recht auf die Heimat hat sich nicht erfüllt
27. Patenschaftstreffen des Heimatkreises Greifenhagen: Fünf Jahrzehnte Patenschaft zwischen Bersenbrück und Greifenhagen standen für Frieden und Versöhnung zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen in Bersenbrück an, die die freundschaftlichen Bande weiter vertieften.
Mit der „Stiftung Kreis Greifenhagen/Pommern Beyersdorff- Wyrow”, in dessen Vorstand Greifenhagener und Bersenbrücker
sind, blicke man in die Zukunft. Sie übernehme die kulturellen und sozialen Interessen des pommerschen Heimatkreises Greifenhagen.
Der stellvertretende Landrat Dr. Hermann Meyer betonte, daß es sich gelohnt habe, die Patenschaft über eine so lange Zeit gepflegt zu haben.
Das zusammenwachsende Europa lebe nicht allein vom Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, vielmehr werde es durch die
Bereitschaft zu Verständigung und Versöhnung gestärkt. Der Vorsitzende des Heimatvereins Bersenbrück, Franz Buitmann, sprach für die in die Patenschaft eingebundenen Vereine, Patenschaft heiße zugleich Fürsorge, Hilfe und Freundschaft. Sparkassendirektor Karl-Heinz Schnebel betonte die gemeinsame Aufgabe, ausgehend von den traditionellen Patenschaftstreffen die nachfolgende Generation mit einzubinden, um so auch zukünftig die Erinnerung wach zu halten. Danuta Zajqc überbrachte Grüße vom Rat und der Verwaltung der Stadt
Bahn, Kreis Greifenhagen.
In seinem Festvortrag wies OStD Peter Seeger darauf hin, daß die Bildung, das Wissen um die eigene Geschichte wichtig sei, sie ermögliche es, Horizonte des Verstehens und des Umgangs mit uns selbst und unseren Nachbarn zu eröffnen, die Geschichte hole uns immer wieder ein. Die Realitäten hinsichtlich des deutsch-polnischen Grenzvertrages seien eindeutig. Unter diesem Gesichtspunkt
könne das Motto des Patenschaftstreffens irritieren, der Leitspruch gehe aber viel tiefer, vier Aspekte seien bedenkenswert: Identität
und Heimat, Heimat- und Identitätsverlust, Identitätserweiterung durch Aufbruch und Auf dem Weg zu einer europäischen Identität. Zu
diesen Aspekten bemerkte Seeger: „Die wahre Heimat Greifenhagen spricht Ihre Sprache, weil Sie ein Teil Greifenhagens waren und mit Ihrer Seele immer noch sind. Ihre Lebensentwicklung ist geprägt von der Kultur, den Werten Ihrer Heimat und die Kultur der ehemaligen ostdeutschen Gebiete ist reichhaltig”.
Zum zweiten Aspekt meinte Seeger: „Zur Sprache Greifenhagens gehört auch, daß Sie einen Teil Ihrer ganz persönlichen
Biographie in Pommern haben zurücklassen müssen”. „Die wahre Heimat Greifenhagen“, so der Redner zum dritten Aspekt, „spricht Ihre Sprache auch in Bersenbrück und anderswo”, hier habe man eine Antwort in der Hoffnungslosigkeit
und Resignation erhalten wie Beckman in Borcherts „Draußen vor der Tür”. „Wenn der Bund der Vertriebenen
schon 1950 in seiner Charta die europäische Identität betont und ausdrücklich formuliert, daß aus der Schuld heraus der Weg in eine bessere Zukunft gefunden werden soll, dann ist das eine großartige Leistung”, sagte Seeger abschließend hinsichtlich des vierten Aspektes.
Die Ehrungen nahm der stellvertretende Sprecher der Pommerschen Landsmannschaft, Adalbert Raasch, vor. Mit der Pommerschen Ehrennadel
in Gold wurden der stellvertretende Landrat Dr. Hermann Meyer und der Hauptamtsleiter Heinz Klövekorn ausgezeichnet, das silberne
Eichenblatt des Verbandes erhielt der Heimatkreisausschußvorsitzende Eckhard Schwenk.
Bei den anstehenden Wahlen wurden die bisherigen Mitglieder des Heimatkreisausschusses wieder gewählt, ebenso der Heimatkreisbearbeiter Günther Drewitz (Greifenhagen/ Lübeck). Für die Wahlperiode 2009–2013 wurden in den Heimatkreisausschuß
gewählt: Gerda Bretsch (Bahn/Eberswalde), Herbert Kämper (Glien/Gehrde), Karl Kirschnik (Greifenhagen/Vogelsang), Eckhard Schwenk (Stecklin/ Dorsten), Ingetraut Walbrühl (Liebenow/ Alfter) und Irmgard Tschorn (Greifenhagen/Dinslaken).
Einen einwöchigen kostenlosen Aufenthalt in der „Heimstatt Greifenhagen” im Pommern-Zentrum in Lübeck-Travemünde gewannen bei der Verlosung mit der „Glücksgöttin” Renate Kräuter, Irmtraut Bauermann, Lübeck, und Traugott Jordan, Erwitte. Im
Anschluß an die Feierstunde trafen sich die Kranz- und Fahnenabordnungen zum heimatlichen Gedenken und zur Totenehrung
am neu gestalteten Gedenkstein vor dem Rathaus, begleitet von der Priggenhagener Blaskapelle und mit Gedenktexten, vorgetragen von
den Grundschülerinnen Laura Krone und Christin Ahaus. Guten Besuch verzeichnete an beiden Tagen die Greifenhagener Heimatstube im
Kreismuseum, wo Kulturreferent Herbert Kämper Erläuterungen gab.
Zum Ausklang des Patenschaftstreffens trafen sich Gäste und Einheimische im Heimathaus „Feldmühle” des Heimatverein Bersenbrück.
Franz Buitmann,
Greifenhagener Str. 20,
49593 Bersenbrück

