AUFTAKT Festveranstaltung 31. Mai 2009
AUFTAKT Festveranstaltung 31.Mai 2009 BSB HKA Günther Drewitz
Unser 27. Paten-und Heimatkreistreffen heißt:
mehr als 50 Jahre Patenschaft Altkreis Bersenbrück – Kreis Greifenhagen,
-- besser gesagt:
50 Jahre Freundschaft und Partnerschaft zwischen
Bersenbrücker und Greifenhagener.
Und so freue ich mich sehr, euch liebe Landsleute aus dem Greifenhagener Land -aus unserem schönen Pommernland-, euch liebe Patenschaftsträger und Patenschaftsfreundinnen und –Freunde aus Bersenbrück und dem Osnabrücker Land zum Auftakt unserer Feierstunde recht herzlich willkommen zu heißen.
Einige Wegbegleiter und –Begleiterinnen der Patenschaft möchte ich gerne persönlich begrüßen,
… den Stellv. Landrat Dr. Hermann Meyer, aus dem Landkreis Osnabrück
… den Bürgermeister Harald Kräuter, der Patenstadt Bersenbrück
… den Vorsitzenden des Kreisheimatbundes Bersenbrück, Franz Buitmann
… den Ehrenbürger der Stadt Bersenbrück, Walter Sandbrink, Altbürgermeister
Es ist für mich eine besondere Wertschätzung, dass die Präsidentin des Rates der Stadt Banie/Bahn, Frau Danuta Zajqc, mit der Kulturbeauftragten, Frau Teresa Bucinska und Irena Sygula, vom Deutschen Freundes Kreis den weiten Weg von Bahn nach Bersenbrück gegangen sind, um auch einmal hier in Deutschland die seit Jahren bestehende gute Zusammenarbeit mit uns Kreis Greifenhagener, besonders mit der Vorpommerschen Gruppe um Gerda Bretsch, zu erleben.
Herzlich willkommen unter uns!
Freudig empfangen möchte ich den heutigen Festredner, Herrn OStD Peter Seeger, Schulleiter des hiesigen Gymnasiums, ---
last not least, begrüße ich ganz besonders unseren Stellvertretenden Sprecher der Pommerschen Landsmannschaft, unseren Freund Adalbert Raasch, mit seiner Frau und Tochter, mit dem uns eine langjährige Freundschaft verbindet.
Nochmals HERZLICH WILLKOMMEN !
All die vertrauten Gesichter, die ich hier im Saale sehe: bitte habt Verständnis, auch Ihr seid wie immer freundschaftlich begrüßt, ohne alle persönlich anzusprechen.
Sehr geehrte und liebe Freunde, am Anfang unserer Feierstunde steht der Sinnspruch
„ Die wahre Heimat Greifenhagen spricht unsere Sprache“
Unser Landsmann Dr. Gerhard Brose aus Kladow hat 1972 in seinem Buch „Die alte Heimat an der Oder spricht zu uns“ folgendes gesagt:
…wenn unsere liebe Heimatsprache an unser Ohr klingt, dann wird uns plötzlich warm ums Herz, und mit einem Schlag zaubern die vertrauten Laute die verlorene Heimat in uns wieder herauf. Alles wird wieder lebendig, was zur Heimat gehörte: unsere Kindheit und Jugend, alte Freundschaft und Liebe, unser früheres Wirken und Schaffen, unsere Felder, Wälder, Wiesen und Seen mit dem Himmel darüber, unsere Oder als Heimatstrom, unsere Dörfer mit ihren Bauernhöfen, unsere Städte mit ihren Türmen und Kirchen und nicht zuletzt unsere Toten, die in heimatlicher Erde ruhen. Dieses –Alles- möge dazu helfen, die Liebe zur alten Heimat lebendig
zu erhalten…..
So sein Vorwort zum Buch.
Ich meine, eine wesentlichere Bedeutung der Heimatsprache kann nicht besser wiedergegeben werden. Denn, so wie Gerhard Brose sprechen auch wir Kreis Greifenhagener unsere pommersche Sprache , das Plattdeutsche und Hochdeutsche, mehr als 750 Jahre, und davon 690 Jahre in unserer ostdeutscher Heimat. Und dass unser Sprechen immer noch „pommersch“ klingt, liegt daran, dass
wir die Liebe und Treue zur Heimat Kreis Greifenhagen lebendig erhalten.
Mir ist in Erinnerung, dass in Greifenhagen eine russische, auch polnische Familie, die nach dem 1.Weltkrieg hängen geblieben sind, wohnten. Auch sie sprachen deutsch. Aber nach dem 2.Weltkrieg, nach dem Ende 1945, und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung, spricht man „polnisch“ im Greifenhagener Land. In den Städten und Dörfern.
Es heißt nicht: Greifenhagen 755 Jahre alt, sondern Gryfino!
Wer von uns Alten versteht diese Welt noch?
Und die Jungen? Verstehen sie die Alten noch, die die Nation, das Konservative, preußische Tugenden, Heimat und Heimatsprache
noch im Herzen tragen? Verstehen sie die Alten, die noch deutsch sprechen und Warschau für Warszawa, Stettin statt Szczecin, Greifenhagen statt Gryfino sagen. Die alten, die mit Ostdeutschland den deutsche Osten östlich der Oder nennen,
nicht Mitteldeutschland,--- -die die keine ZWEI Ostdeutschlands kennen.
Aber selbst wir Betroffenen der ersten Vertreibungsgeneration sprechen schon von der „verlorenen Heimat“, gefährden damit selbst unsere kulturellen Wurzeln. Bald wird man unser „pommersches Platt“, den „Stettiner Slang“,
„dat Griepenhornsche“, und all die anderen ostdeutschen Dialekte, wie das „Schlesische“, „Ostpreußische“ usw. nicht mehr hören.
700 Jahre kulturelle Wurzeln der ostdeutschen Sprache weisen hin zu den vielen Kultur-Errungenschaften des deutschen Osten, --und diese Kultur muß unser gesamtdeutsches Anliegen sein --.
Wir Kreis Greifenhagener schätzen uns glücklich, dass unsere Patenträger im Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück uns die Möglichkeit gegeben haben, unsere geretteten Geschichts-und Kulturgüter zu bewahren.
Sehr verehrte Damen und Herren,
wenn das Friedenszeichen des Heimatvereins Bersenbrück in Kalkriese, „Heimat schafft Frieden - Frieden schafft Heimat“ von mir real angenommen werden sollte, dann sollte ich in Frieden in meiner Heimat Pommern leben und
in Frieden für meine Heimat Pommern schaffen dürfen.
Ja, das ist mein Verständnis, wenn ich an mein „Recht auf die Heimat“ denke. Aber dieses Recht wird mir seit meiner Vertreibung aus der Heimat nicht gewährt. Sie wissen alle, dass ich seit der Öffnung des „Eisernen Vorhanges“- wie man so schön sagt-, seit 1990 eben, Verständigung und Versöhnung von West nach Ost, von Deutschland nach Polen, getragen habe.
Wenigsten: es versucht habe!
Ich will nicht von dem Allem, was wir gemeinsam dafür aktiviert haben, sprechen, aber eines muß ich für mich feststellen: Mein individuelles „Recht auf die Heimat“ hat sich nicht erfüllt. Nein, was vor 15 Jahren noch greifbar war, ist heute, trotz europäischer Mitgliedschaft Polens in der EU, nicht erlebbar. Und ich meine: „DIE Heimat“, meine Pommersche,
nicht irgendeine Heimat.
Wir sind Europäer, ja, wir 27 europäischen Nationen sind eine Wertegemeinschaft, und müssen diese Werte nicht auch für alle gelten?.
Aber auch deutsche Mitbürger sehen die Nation schon als Relikt der Vergangenheit an. Wo dennoch Nationalgefühl sich regt, da tobt nunmehr seit Jahren ein „Kampf gegen Rechts“, der alles kriminalisieren möchte, was irgendwie nach „altem Denken“ anmutet. Ich meine: „Zu wenig Ethik und ehrliche Moral in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unseres Landes“, - und es fehlt der Mut zur Wahrheit.
Bitte, liebe Freunde, üben Sie Nachsicht mit mir, wenn ich als Heimatvertriebener, also als Betroffener, das Thema „Zentrum der Vertreibungen“ heute und hier anspreche. Es gehört zu unserem Dasein!
Als ich, 16 Jahre alt, 1944 zu den Waffen gerufen wurde, sagte meine Großmutter zu mir: „Jong, ward mi bloß keen Offizier,
up de Hogens scheetens toerst“
Und so hat man sich in Sachen des Zentrums der Vertreibungen auf Erika Steinbach, Präsidenten des BdV, eingeschossen. Nein, es geht nicht um diese Person, es geht um die Vertriebenen insgesamt, es geht um das ZENTRUM, heute beschlossenes Dokumentationszentrum „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Ich frage mich immer: wo liegt das Problem? Wir Deutsche betreiben Vergangenheitsbewältigung seit dem bitteren Ende der 12 Jahre Nazizeit.
Geschichte kennt nur eine Wahrheit, andere Wahrheit als die historisch beweisbare gibt es nicht. Also, worin sieht der polnische Präsident Lech Kaczynski ein „Problem für sein Land“, wenn alle Vertreibungen in dem Zentrum aufgearbeitet werden. Wenn Augen und Sinne geöffnet werden, um dieses „Leid der Heimatlosigkeit“ in unserem freien Europa zu überwinden.
Ein Ergebnis hören wir in dieser Auseinandersetzung immer und immer wieder:
Hitler und Nazideutschland haben ihren Drang nach Osten mit dem Ziel der Germanisierung, -und folgerichtig eben vor 70 Jahren, am 1. September 1939-, Polen überfallen. Deutsche die Täter, Polen die Opfer!
Die Vertreibung also gerechtfertigt!
Liest man „Marx-Engels-Werke“, selbst dann ist dieses Urteil falsch.Denn die Polen haben die von ihnen 1945 geforderten Ansprüche bereits 150 Jahre davor erhoben. Die Begründungen kennen wir. „Rückgabe uralten polnischen Bodens“.
Marx und Engels unterschieden nicht nur reaktionäre Klassen, sondern auch Nationen. Das ist mir neu.
So sagt Engels , in den „Marx-Engels-Werken“ 1848/49 (ich zitiere):
---es könne nicht von einem „Unrecht der Germanisierung“ gesprochen werden. Im Gegenteil: Sie gehört zu den „besten und anerkennenswerten Taten, deren sich unser Volk in der Geschichte rühmen kann“. (MEW 6,279)
„Es stellt sich doch die rhetorische Frage, ob es im Interesse der Zivilisation liegen könne, ganze Landstriche, hauptsächlich von Deutschen bewohnt, große deutsche Städte, von Deutsche über Jahrhunderte zivilisiert, einem (polnischem) Volke zu überlassen,<…………> „um“ diese, - zum geistigen deutschen Kulturerbe gehörenden Gebiete-, zu besitzen “. (MEW 8,53) -Zitat Ende-
Nach Marx und Engels, kam Lenin, kamen Stalin und Hitler, kamen die nationalistischen Diktaturen. Ob von Linkem oder Rechtem Ungeist beseelt!
Gut, dass wir DAS überstanden haben!!!
Meine Damen und Herren, in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ heißt es 195o: - Solange das Recht auf die Heimat für uns nicht verwirklicht ist, wollen wir aber nicht zur Untätigkeit verurteilt beiseite stehen, sondern in neuen, geläuterten Formen verständnisvollen und brüderlichen Zusammenlebens mit allen Gliedern unseres Volkes schaffen und wirken-.
1963, zum Schlesiertreffen in Köln, äußerte sich der SPD-Vorstand wie folgt:
-Verzicht ist Verrat, wer wollte das bestreiten: Das Recht auf Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern-.
Wir Pommern sagten 10 Jahre später, am 26.Mai 1973, im „Manifest der Pommern“: - Wir Pommern wollen eine Zukunft Europas, die Grenzen durch Freiheit überwindet, dazu wollen wir uns untereinander, miteinander und füreinander verbinden, POMMERN - DEUTSCHE - EUROPÄER.
Dieser Weg nach Europa war und ist ein glückliches Erkenntnis: Eine Weltkenntnis für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit.
Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam dauerhaft festigen und weitergehen.

