Kloster Kolbatz mit Gut
Blick auf Greifenhagen a.d. Oder mit Oderbrücke
Bahn - Bild von Otto Kurginsky
Gedenkstein in der Patenstadt Bersenbrück

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Nur ein gemeinsames Europa in Frieden und Freiheit

kann davor schützen, dass Menschen ihre Heimat aufgeben müssen

Feierstunde zum 60jährigen Jubiläum der Patenschaft
zwischen den Landkreisen Bersenbrück/Osnabrück
und dem Landkreis Greifenhagen in Pommern

                                                

Vor 60 Jahren, am 24. März 1958, beschloss der Kreistag des damaligen Landkreises Bersenbrück, eine Patenschaft mit dem Landkreis Greifenhagen in Pommern einzugehen. Mit diesem Abschluss wurde Bersenbrück für die Heimatvertriebenen der Mittelpunkt für kulturelle und heimatpolitische Anliegen. Im Zuge der Gebietsreform übernahm der Landkreis Osnabrück 1972 die eingegangenen Patenschaftsverpflichtungen. In einer Feierstunde im Rathaus der Samtgemeinde Bersenbrück, dem früheren Kreishaus des Landkreises Bersenbrück, wo der Vertrag unterzeichnet worden war, wurde an die 60 Jahre Patenschaft erinnert, Festredner und Schirmherr war Reinhard Freiherr von Schorlemer MdB a. D., der seiner Zeit dem Patenschafts-Ausschuss angehörte.
Schon die Beflaggung vor dem Rathaus gab einen Hinweis auf das Besondere des Tages, wehte doch auch die Greifenhagener Fahne im Wind. Die musikalische Umrahmung der Feierstunde erfolgte in beeindruckender Weise durch Barbara Hackmann und Klara Hesse aus Ankum mit ihrem Flötenspiel. In seiner Begrüßung wies Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch darauf hin, dass 60 Jahre Patenschaft nicht selbstverständlich sei, hier zeige sich, dass die Patenschaft Menschen zusammen geführt habe, die füreinander einstehen und sich gegenseitig Respekt zollen. Wer die Heimat verloren habe, könne dies nie vergessen, mit Hilfe von Freunden wie im Kreis Bersenbrück und dann im Landkreis Osnabrück sei es aber möglich gewesen, eine neue Heimat zu finden. Wichtig sei sowohl der Blick zurück als auch in die Zukunft, jungen Menschen sei es aufgetragen, über alle Grenzen hinweg Freundschaften zu entwickeln, dies werde im Rahmen der Schülerbegegnungen von Bersenbrücker Schulen mit Schulen im heutigen Gryfino mustergültig praktiziert. Immer müsse gelten: “Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten.“
Günther Drewitz aus Lübeck, Heimatkreisbearbeiter des Heimatkreises Greifenhagen, stellte fest, die Patenschaften fußten auf zwei Seiten einer gleichen Medaille. Die eine Seite seien die Erinnerungen an die Heimat der Kindheit, die durch Familie und die heimatliche Umgebung geprägt seien. Eine zwangsweise erlebte Vertreibung aus dieser Heimat führe hin zu Lebensbrüchen, die allein nicht zu bewältigen seien, eine Patenschaft könne hier helfen. Die andere Seite der Medaille zeige den ehrlichen Weg in die Zukunft. In der Patenschaftsurkunde von 1958 heiße es, dass Patenschaft zugleich Fürsorge, Hilfe und Freundschaft bedeute. Die Greifenhagener nahmen die ihnen gereichte Hand dankbar an, das Pfingsttreffen zeige erneut, dass sich die Patenschaft bewährt habe. Besonders freute sich Drewitz, dass auch Gäste aus der Greifenhagen benachbarten Gemeinde Bahn am Treffen teilnehmen.
Werner Lager als stellvertretender Landrat und stellvertretender Samtgemeindebürgermeister wies darauf hin, mit dem Abschluss der Patenschaft im Jahre 1958 sei Bersenbrück für die Heimatvertriebenen Mittelpunkt für kulturelle und heimatpolitische Bedürfnisse geworden. Rückblickend könne man feststellen, dass die Vertriebenen hier in der Osnabrücker Region, speziell in Bersenbrück, nicht nur eine Zufluchtsstätte, sondern eine neue Heimat fanden. Der Aufbau des Landkreises Osnabrück nach dem Kriege sei ohne die Tatkraft der Vertriebenen nicht denkbar gewesen, dafür gelte es Dank zu sagen.
Die Heimatstube Greifenhagen werde im künftigen „Museum im Kloster“ wieder ihren gebührenden Platz finden.
Hans-Gert Pöttering, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments und Ehrenbürger der Stadt Bersenbrück, erinnerte besonders an die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ vom 5. August 1950, in der die Heimatvertriebenen auf Rache und Vergeltung verzichteten. „Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ist ein Dokument des Mutes, der Weisheit und der Tapferkeit“, habe der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss gesagt. Auch heute, so Pöttering, seien Menschen auf der Flucht, damals wie heute gelte, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Bersenbrück habe im Rahmen der Patenschaft mit Greifenhagen diese Forderung in die Tat umgesetzt.
In seinem Festvortrag berichtete Reinhard Freiherr von Schorlemer MdB a. D., Mitglied des Kreistages des damaligen Landkreises Bersenbrück und später des Landkreises Osnabrück und Mitglied im Patenschaftsausschuss, von der Entstehung der Patenschaft zwischen den Landkreisen. Persönlich habe er miterlebt, dass 1945 mehrere Flüchtlingsfamilien in sein Elternhaus kamen und gute Aufnahme fanden, was nicht immer so gewesen sei, diese Erlebnisse habe er bei der Patenschaftsübernahme 1958 im Blick gehabt. Als 1953 der Deutsche Bundestag das Bundesvertriebenen-Gesetz verabschiedete, seien hier auch Anregungen enthalten gewesen, dass Städte und Landkreise Patenschaften übernehmen, um das kulturelle und geschichtliche Erbe der Vertreibungsgebiete zu wahren und zu fördern. Auch die Kreis-Greifenhagener seien auf der Suche nach einem westdeutschen Paten gewesen. Im Raum Engter seien mit dem letzten Zug der Greifenhagener Kleinbahn viele geflüchtete Landsleute aus Greifenhagen gestrandet und fürsorglich aufgenommen worden. Von hier aus wurde angeregt, eine Patenschaft mit Bersenbrück einzugehen, was von der Kreisverwaltung und vom Kreistag positiv aufgenommen worden sei bis hin zur Übernahme 1958. Die ersten Begegnungen seien vor allem Wiedersehens- und Wiederfinden-Treffen gewesen, alle zwei Jahre zu Pfingsten fanden dann die Treffen statt, geprägt von namhaften Persönlichkeiten. 1968 habe in Bersenbrück ein großes Bundespatenschaftstreffen stattgefunden. Auch nach der Gebietsreform 1972 seien die Patenschaftsausschüsse geblieben, 1991 gab es einen gemeinsamen Patenschaftsausschuss für alle vier Altkreise, von Schorlemer wurde Vorsitzender. Gerne erinnerte sich von Schorlemer an die Fahrten nach Greifenhagen und ins Greifenhagener Land mit eindrucksvollen Begegnungen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Nachbarschaftsvertrag 1991 mit Polen sei eine große Wende gekommen, im Vertrag werde von der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Regionen, Städten und Gemeinden gesprochen. Hier sei die große Chance von der Patenschaft zur Partnerschaft zu kommen. Schüleraustausche und das Deutsch-Polnische Jugendwerk erreichten bereits viel Gutes. Alle seien gefordert, auch die kommenden Generationen, weiter dauerhaft an der Verständigung und Versöhnung zu arbeiten, die Idee der Patenschaft dürfe aber nicht vergessen werden.
Für seine Verdienste um die Patenschaft erhielt Johannes Koop aus den Händen von Günther Drewitz die silberne Ehrennadel verbunden mit einer Urkunde, die die Pommersche Landsmannschaft verliehen hatte. Anschließend trugen sich nach dem Festredner von Schorlemer alle Teilnehmer der Festveranstaltung in das Goldene Buch der Stadt Bersenbrück ein. Mit dem Pommernlied und der Nationalhymne endete die eindrucksvolle Jubiläumsveranstaltung.
Reinhard Freiherr von Schorlemer hielt beim Patenschaftstreffen „60 Jahre Patenschaft Landkreis Bersenbrück/Osnabrück mit dem Landkreis Greifenhagen“ die Festrede.

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Nach der Jubiläumsfeier stellten sich die Gäste der Jubiläumsfeier „60 Jahre Patenschaft Landkreis Bersenbrück/Osnabrück mit dem Landkreis Greifenhagen“ am Europa-Denkmal am Bersenbrücker Rathaus dem Fotografen mit (von links) Johannes Koop, Werner Lager, Reinhard von Schorlemer, Walter Sandbrink, Hans-Gert Pöttering, Karl-Heinz Finkemeyer, Eckhard Schwenk, Christian Klütsch und Günther Drewitz.

 

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                                                   Fotos: Franz Buitmann

Ehrenamtliche Beratung: Wolfgang Pusch                  Joomla templates by a4joomla